Die Turteltaube ist Vogel des Jahres 2020

NABU R.Thierfelder
NABU R.Thierfelder

Die Turteltaube - Vogel des Jahres 2020. 

 

 

Die Turteltaube   – Vogel des Jahres 2020

 

 

 

 

 

Wie aus Überlieferungen des frühesten Altertums und der christlichen Religionsgeschichte bekannt ist, spielten Tauben schon immer eine bedeutende Rolle in unserem Leben. Im Alten Testament wird die Taube als Glücksboten und Hoffnungsträger erwähnt. Sie diente als figürliche Darstellung des Heiligen Geistes und ist bei vielen Völkern als Symbol der Seele und der Liebe beschrieben. Andererseits werden die verwilderten Stadttauben als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet.

Warum wurde die Turteltaube zum Vogel des Jahres gekürt? In den 50er Jahren war sie weit verbrei-tet und häufig anzutreffen. Seither ist ihr Bestand fast ständig in der Abwärtsbewegung. Nach den neuesten Zahlen liegt ihr Bestand heute bei uns nur noch zwischen 12.500 und 22.000 Brutpaaren. Im Jahre 2009 war er noch doppelt so hoch. In Nord-Ost-Deutschland ist sie bereits wieder (fast) ver-schwunden. In den meisten europäischen Ländern hat sie seit 1980 um ca. 79 % abgenommen, in Großbritannien ist sie fast ausgestorben. Sie wir nicht nur in Deutschland in der „Roten Liste“ als stark gefährdet geführt sondern sie wird auch auf der weltweiten „Roten Liste“ als global gefährdet eingestuft und steht  damit auf der gleichen Stufe wie der Kaiseradler.

Turteltauben können 13 Jahre alt werden. Die Überlebensrate der Jungvögel liegt bei etwa 50 %. Tauben legen zwar pro Brut nur 2 Eier, aber das wurde durch 3 – 4 Bruten im Jahr ausgeglichen. Heute sind es nur noch 1 – 2 Bruten pro Jahr. Die Intensivierung der Landwirtschaft verschlechtert zum einen die Lebensbedingung der Turteltaube enorm – so wie schon bei anderen Jahresvögeln (wie z.B. 2019 der Lerche). Durch den Ausbau der Anbauflächen (Monokulturen), der Verlust von Brachen, Ackersäumen, Feldgehölzen, Böschungen und Kleingewässern verschwinden Nistplätze und entscheidende Nahrungsflächen. Hinzu kommt der Einsatz von Herbiziden auf den Ackerflächen gegen „Unkräuter“. Aber gerade die Samen dieser Ackerwildkräuter dienen ihr als Nahrung. Auch in den Überwinterungsgebieten wird laufend Lebensraum zerstört.

 

Als weiterer Schwerpunkt kommt hinzu, dass in der EU jährlich 1,4 Millionen Tiere legal und illegal geschossen werden obwohl ein Aktionsplan zum Schutz der Europäischen Turteltaube verabschiedet wurde. Im Juli 2019 wurde von der EU-Kommission gegen Spanien und Frankreich bereits ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, da bisher dort keine Maßnahmen zum Schutz der Turteltaube unternommen wurden. Da sie die einzige Langstreckenzieherin unter den Tauben ist muss sie zahl-reiche Länder überqueren bis ins Winterquartier südlich der Sahara. 4 Turteltauben wurden besendert und ihr Zugverhalten kann im Internet verfolgt werden. Der Herbstzug – oft schon im August – erfolgt nachts, der Rückzug im Frühjahr tagsüber.

 

Die Turteltaube ist mit einer Körperlänge von bis zu 28 cm  etwas größer als eine Amsel und  unsere kleinste Taube. Die Flügelspannweite reicht bis ca. 50 cm. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt.  

 

Ihre Flügel sind schlank und spitz zulaufend.. Der Oberkopf und die Oberflügeldecken sind blaugrau, der Rücken und die Flügel sind rostbraun und schwarz geschuppt. An den Halsseiten befindet sich je-weils ein schwarz-weißgestreifter Fleck. Kehle und Brust sind zart  rötlich gefärbt. Dunkler Schwanz mit weißer Endbinde. Der Gesang wirkt zarter,  aber auch eintöniger als bei unseren anderen Tauben-arten. Sowohl ihr tiefes „turrr-turrr-turrr“-Gurren als auch das zärtliche Verhalten des Paares „turteln“ waren namensgebend.

 

Ab Ende April kommen sie in ihre Brutgebiete zurück und beginnen mit der Balz. Das flache meist durchsichtige Reisignest wird in einem Busch oder niederen Baum gebaut.Das Männchen bringt das Nistmaterial und das Weibchen verbaut es. Die 2 weißen Eier werden von beiden Partnern bebrütet. Die Jungen schlüpfen nach ca. 14 Tagen und verlassen das Nest nach etwa 18 Tagen. Sie werden von beiden Eltern mit Kropfmilch gefüttert. Nur 1 – 2 Bruten im Jahr – Nahrungsmangel!!?

 

Turteltauben suchen ihre Nahrung  - ausschließlich Sämereien – an Ackerrändern und Waldrändern     mit offenen  Stellen. Hierbei werden Samen von Klee, Vogelwicke, Erdrauch, Ackersenf, Wolfsmilch, Leimkraut oder Baumsamen wie von Kiefern und Ulmen. Da sie die Ackerwildkräuter kaum noch  finden macht der Anteil von landwirtschaftlichen Sämereien inzwischen mehr als 50 % aus – früher ca. 20 %. Außerdem benötigen sie Wasserstellen. 

Als Lebensräume bevorzugt die Turteltaube Auwälder, natürliche Waldränder und Lichtungen. Da

diese nur noch bedingt vorhanden sind, ist sie in unserer Kulturlandschaft auf lichte Wälder mit Unterwuchs, Hecken mit größeren Sträuchern und Streuobstwiesen ausgewichen. Sie nutzt heute auch ehemalige Truppenübungsplätze oder Abbaugebiete von Kies und Kohle, wo sich Pionierwälder ange-siedelt haben.

 

Die EU-Vogelschutzrichtlinie erlaubt noch in  10 EU-Staaten die Jagd auf Turteltauben, wenn die Art dadurch nicht gefährdet wird. Obwohl massiver Lebensraumverlust und Nahrungsmangel in Europas intensiv genutzter Agrarlandschaft die Bestände stetig sinken lassen, werden in der EU jährlich mehr als 1,4 Millionen Tiere geschossen. Skandalös ist, dass in manchen Ländern das Abschießen von Zugvögeln als „Sport“ zum eigenen Vergnügen betrieben wird. Deshalb fordern wir Bundesumwelt--ministerin Swenja Schulze auf, sich für das dauerhafte Aussetzen der Abschussgenehmigungen in den EU-Mitgliedstaaten einzusetzen. Sollten Sie auch der Meinung sein, dass der Abschuss von der bei uns geschützten Turteltaube auf dem Zugweg abgestellt werden sollte, können Sie die Petition unter           www.vogeldesjahres.de/petition unterstützen.

 

NABU M.Wimbauer
NABU M.Wimbauer